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Videowege

Über HAP stehen zwei grundsätzlich verschiedene Wege zum Bild zur Verfügung. Sie haben sehr unterschiedliche Eigenschaften und werden häufig verwechselt.

Standbild-Abruf

Der Controller fordert ein Einzelbild an; das Gerät liefert ein JPEG.

Eigenschaft Beobachtung
Antwortzeit rund 200 ms
Auflösung bis 1920 × 1080, wenn die gewünschte Größe mit angefordert wird
Voreinstellung vieler Controller 640 × 480

Das SD-Bild ist selten eine Gerätegrenze

Der weit verbreitete Eindruck, die G4 liefere nur ein kleines Bild, geht in der Regel auf die Voreinstellung des Controllers zurück, nicht auf das Gerät. Fordert man die Zielgröße explizit an, liefert das Gerät Full HD.

Zu beachten: Manche Oberflächen bauen den Abrufpfad ohne Größenparameter auf. Der Weg über die Oberfläche liefert dann zwangsläufig das kleine Bild, auch wenn die zugrunde liegende Schnittstelle mehr könnte.

Standbilder sind nicht kostenlos

Jeder Standbild-Abruf geht als eigener Vorgang an die Kamera und belegt — wegen des doppelten Funkwegs, siehe Geräteaufbau — den Kanal zweimal. Mehrere Abrufe in kurzer Folge, wie sie bei Benachrichtigungen mit Vorschaubild leicht entstehen, können einen parallel laufenden Videostrom sichtbar stocken lassen.

Wer dasselbe Bild mehrfach benötigt, ruft es einmal ab und verteilt die Kopie.

H.264-Videostrom

Über Camera RTP Stream Management handelt der Controller eine SRTP-Sitzung aus; das Gerät sendet daraufhin einen H.264-Strom. Das setzt einen Controller voraus, der die RTP-Sitzung tatsächlich aufbaut — quelloffene HAP-Medienserver leisten das.

Eigenschaft Beobachtung
Auflösung 1080p
Codec H.264
Keyframe-Intervall etwa 5 Sekunden
gleichzeitige Sitzungen maximal zwei (zwei Dienstinstanzen)

Das Keyframe-Intervall ist die Latenz-Untergrenze

Jeder Player, der vor der Darstellung auf einen Keyframe warten muss, kann prinzipiell nicht schneller starten als das Keyframe-Intervall — hier also rund 5 Sekunden. Vorwärmen des Stroms verkürzt nur den davorliegenden Verbindungsaufbau.

Wer kurze Anzeigezeiten braucht, gewinnt deshalb mehr durch die Wahl eines Transports ohne Keyframe-Wartezeit als durch Optimierung der Serverkette. Segmentierte Transporte mit mehreren Segmenten Vorlauf sind für diesen Anwendungsfall die ungünstigste Wahl.

Ungenutzte Sitzungen erkennen

Eine begonnene Videositzung, die kein Abnehmer mehr betrachtet, kann bestehen bleiben und dauerhaft Daten übertragen. Beobachtet wurden mehrstündige Sitzungen mit null Zuschauern und mehreren Mbit/s — wegen des doppelten Funkwegs eine erhebliche Dauerlast auf dem 2,4-GHz-Kanal.

Erkennungsmerkmal: null Abnehmer bei wachsendem Empfangszähler, über zwei Abtastungen im Abstand von ungefähr einer Minute geprüft. Eine Sitzung mit Abnehmer ist dagegen normal und darf den Kanal belasten.

Zwei Fallstricke bei der Überwachung

  • Statusabfragen können selbst eine Sitzung starten. Eine Abfrage, die den Strom als Quelle benennt, kann die Kamera anstoßen. Für eine Dauerüberwachung ist eine Abfrage zu wählen, die keine Sitzung auslöst — oder es ist netzseitig zu messen. Eine Abfrageschleife, die schneller wiederholt als der Abbau dauert, hält die Sitzung dauerhaft am Leben und erzeugt genau den Zustand, den sie erkennen soll.
  • Interne Abnehmer zählen mit. Medienserver hängen eigene Umwandlungsprozesse als Abnehmer an den Strom. Eine Prüfung auf „Abnehmerliste leer" ist dann nie wahr und läuft an echten verwaisten Sitzungen vorbei. Zu zählen sind die externen Abnehmer.

Im Normalfall baut die Sitzung nach dem Wegfall des letzten Abnehmers innerhalb von rund 25 Sekunden selbst ab; das wurde gegengeprüft. Das Gerät verhält sich hier also spezifikationsgemäß.